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Reviews: Slants


Birgit Ulher: trumpet
Ernst Thoma, live-electronics

Unit




NMZ März 2004

Die Hamburger Trompeterin Birgit Ulher entwickelt zusammen mit ihrem Duopartner Ernst Thoma neben einem langen, fast halbstündigen fließenden Take, sechs fein abgestimmte Dialoge. Kürzere Aktionen, die miteinander interagieren, korrespondieren, kontrastieren. Immer wieder tritt eine ganz im Hintergrund stehende, unterschwellige elektronische Basis hinzu - eine Klangfläche, die sich zuweilen in kleine Pulse, fast schon in Beats ausweitet. Doch dies steht eher im interessanten Kontrast zu den blubbernden, knacksenden, schlürfenden, den rauschdurchsetzten Trompetenklängen, die auf keinen zirkularatmend betonten Fluss zielen, sondern auf eine stetige Entwicklung, die sich auch blitzartig in andere Gefilde begeben kann. Ernst Thoma setzt mit seinem live-elektronischen Spiel Klänge hinzu, die das gesamte Spektrum von reinen Sinustönen bis hin zu Rauschklängen abdeckt. Rasseln, Klappern und Knacksen, aber auch pointierte Einzelklänge ergänzen wunderbar diejenigen des Blasinstruments.

Nina Polaschegg

nmz März 20043/04 Seite 19



Cadence Magazine, March 2004

Partners BIRGIT ULHER (tpt) and ERNST THOMA (elec) serve up a slice of electroacoustic improvising (aquamarin/ forestgreen/ orangered/ violet/ midnight/ pongopink/ skyblue. 57:48. April 2003, no location given) on SLANTS (Unit 4142).

Fans of Axel Dörner, Greg Kelley, and Frantz Hautzinger rejoice: Ulher's is another name to add to the list of post-Dixon splatter players. Ernst Thoma's electronics repertoire can at times sound antiquated, consisting mostly of bloop-bloop pulses, bells, and so forth; his approach, on these occasions, seems to focus on filling what empty space is there, leaving the talented Ulher no other option than to blurt an chortle along with the dominant soundtrack. But there are other times when his playing-working from his own technology platform, the "blue wheel instand composing machine"-works very well, coming off as a fusion of George Lewis' voyager program and the sparser, post-AMM electronicians in a way that highlights and blends with Ulher's frothy trumpet inventions. This is heard more on busy, darting tracks like "violet" than on would-be atmospheric pieces like "forestgreen" (though the symphony of breath noise on "midnight" is an excellent exception). The final track is nearly 30 minutes long, and drags considerably. Other than that, though, this is an album that will intrigue fans of electroacoustic improvisation as well as the aforementioned trumpeters.



Peter Niklas Wilson

Birgit Ulher, Trompete
Ernst Thoma, Live-Elektronik

'Slants' – Biases, inclinations, or metaphorically; the manner of approaching things. And the approach of Birgit Ulher and Ernst Thoma to combining trumpet with electronic music adds an unmistakably new slant to existing recordings featering this line-up. Not the lyricism of the lonesome trumpet, muted where possible to heighten the effect – Miles, take a bow! - in the jungle of programmed beats, loops and sounds, one knows from, say, the well-known recordings by Ben Neills, Graham Haynes or Toshinori Kondo. No, here we can hear a different take on things, different facets, new slants.
The trumpet as breath machine which roars, clatters and crackels; as authentic partner in a dialogue with a live electronic instrument, 'the blue wheel instantcomposing machine' (developed by Ernst Thoma himself), a machine that uses the spectrum of sound between sine wave purism and 'white noise' to facilitate a polyphony of sound layers and tonal qualities. Seven 'Slants', seven different angles of approach to the subject; six concise dialogues and a truly symphonic epilogue, lasting almost half an hour without disintegrating into episodes. And then suddenly, subliminally, the pulses and beats are indeed there – but so much more subtly than in those productions with, though they may bring trumpet and electronic music together, fail to discover 'the ghost in the machine'. Here one may with equal confidence take 'ghost' in the sense of 'spirit' or 'spectre', according to inclination, in accordance with one's own personal 'slant'.

Translation of Peter Niklas Wilson's german text / 2003.


Peter Niklas Wilson

Birgit Ulher, Trompete
Ernst Thoma, Live-Elektronik

"Slants" - Tendenzen, Neigungen, oder metaphorisch: Arten und Weisen, an Dinge heranzugehen. Und die Herangehensweise von Birgit Ulher und Ernst Thoma an das Thema "Trompete plus Elektronik" fügt den existierenden Aufnahmen in dieser Besetzung eindeutig einen neuen "slant" hinzu. Nicht die Lyrik der einsamen Trompete, womöglich noch mit Harmon-Dämpfer - Miles lässt grüssen! - im Dschungel programmierter Beats, Loops und Sounds, wie man sie etwa von einschlägigen Einspielungen Ben Neills, Graham Haynes' oder Toshinori Kondos kennt. Nein, hier werden andere Tendenzen, andere Facetten hörbar, neue "slants".
Die Trompete als Atem-Maschine, die rauscht, rattert, klappert, knackt, als echter Dialogpartner einer (von Ernst Thoma selbst entwickelten) Live-Elektronik, der "blue wheel instant composing machine", die das ganze Spektrum zwischen Sinuston-Purismus und Geräuschflächen nutzt und eine Polyphonie der Klangschichten und -farben ermöglicht. Sieben "slants", sieben verschiedene Winkel, an die Sache heranzugehen: sechs konzise Dialoge und ein regelrecht symphonischer Epilog, fast eine halbe Stunde während, ohne in Episoden zu zerfallen. Und dann sind dann plötzlich doch unterschwellig Pulse und Beats da - aber wieviel subtiler als in jenen Produktionen, die zwar Trompete und Elektronik zusammenbringen, ohne aber den "ghost in the machine" zu entdecken. Wobei man getrost "ghost" mit "Geist" oder aber mit "Gespenst" übersetzen mag, ja nach Neigung, je nach dem persönlichen "slant".



www.jazzdimensions.de

Birgit Ulher /  Ernst Thoma – "Slants"  (Unit Records UTR 4142)

Im April 2003 entstand im schweizerischen Stein am Rhein das Album "Slants" – Improvisationen der Trompeterin mit dem Live-Elektroniker Ernst Thoma und seiner "Blue Wheel Instant Composing Machine". Die sieben Tracks sind also auch Etüden der Begegnung Mensch/Maschine. Doch die intensiven Improvisationen erinnern weder an akademische Übungen noch an entfremdete Automatismen. Birgit Ulher hat sich eine differenzierte Grammatik an Klängen jenseits des offenen Trompetentons entwickelt, selbst fragilste Luftbewegungunen im Metallrohr setzt sie so präzise ein wie Thoma die warm zwitschernden Sounds seiner Live Elektronics. Mit modifizierten Glockenklängen, allerlei Kratzen, Rauschen und Sci-Fi-Geschwirre erweist sich die "blue wheel instant composing machine" als digitaler Klangerzeuger und interaktives Gegenüber, ein Sparringspartner für Improvisatoren. Der AACM-Posaunist George Lewis hat mit "Voyager" bereits ein ähnliches Tool vorgestellt, allerdings geraten die musikalischen Ergebnisse auf "Slants" durchaus überzeugender.

 Die Dramaturgie der kompakten Improvisationen – nur der letzte Track ist fast eine halbe Stunde lang, die anderen dauern jeweils zwischen 3 und 5 Minuten – sorgt für ungewöhnliche Kurzweil und einen dichten Gesamtklang, wie sie manchem avancierten Pop-Album gut zu Gesicht stünden.

Tobias Richtsteig



Bad Alchemy

Trompeterinnen wie LesliDalaba oder Birgit Ulher sind wahrscheinlich eine noch seltnere Spezies als Quastenflossser. Umso ärgerlicher daher, wenn man so lange nichts von ihnen hört, dass man den resignierten Rückzug ins Privatleben vermutet. Aber weit gefehlt. Die seit 1982 in Hamburg ansässige Birgit Ulher, von der zuletzt anlässlich des NurNichtNur-Releases Umlaut(2000, w/Roger Turner & Ulrich Philipp) berichtet werden konnte, zählt weiterhin zu den konsequenten Stimmen einer Form von Improvisation, die eine über Cage, Bailey und Rowe tradierte Nähe zu Geräuschkürzeln und zum Ungesonderten zeigt. Slants zeigt sie in sieben chromatischen Soundclashes mit den Liveelectronics von Ernst Thoma. In einer Manier, die so diskret gar nicht ist, pollocken die beiden ihr lautmalerisches Action-Painting. Krasser könnte man gegen ein Malen nach Zahlen wirklich nicht verstoßen. Ulher setzt ihr Instrument erwartungsgemäß sehr bruitistisch ein, gurgelnde, gepresste, abrupte, oft perkussive Kürzel wechseln mit Schmierern, Spritzern, abgehacktem Gestotter, verrissenen Wischern, gewaltsamen, aber immer genau gezielten Lauten abseits der Grundfarben. Titel wie ‚Midnight‘ oder ‚Pongopink‘ spielen wohl auf das Faible für seltene Farbtöne an. ‚Skyblue‘, das mit 27 Minuten allein schon fast die Halbe Spieldauer füllt, entwirft sich selbst ins Blaue mit nicht weniger Schlechtwetternoise als der Rest. Ulhers luftige Mundmalerei wird von Thoma eher adaptiert als konterkariert. Oft klingt seine Elektronik ähnlich pneumatisch. Als ob es verfremdete Samples seiner Partnerin wären. Obwohl der Höreindruck einem den Begriff ‚Harmonie‘ nicht direkt aufzwingt, herrscht im Miteinander der beiden nichts anderes. Als ob die Dolmetschroboter zwischen elektrischen und akustischen Aliens einen gemeinsamen Code austüfteln wollten. Thoma filtert aus den Geräuschwolken von ‚Skyblue‘ allmählich eine pulsierende, wenn auch nicht sehr stabile Linie heraus, die einem SETI-Lauscher den Atem stocken ließe. Ein Muster im Rauschen der Frequenzen? Ein Schürzenzipfel im universalen Ameisengewusel, an dem man sich die Rotznase wischen könnte?

Rigo Dittmann

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